Sportliche Höhepunkte 60er Jahre

 

Bei den vielen erstklassigen sportlichen Leistungen der folgenden Jahre ist es fast unmöglich, im Rahmen dieser Aufzeichnungen eine gerechte Auswahl zu treffen.

1963 fuhr eine kleine Mannschaft des Turnvereins - Georg Müller, Dieter Selting, Karl Reuter, Inge Jung (Inge Wiegand), Wolfgang Woronowska, D. Kürtel und Paul Bellinger _ zum ersten Deutschen Turnfest im Herzen des Ruhrgebietes nach Essen. Inge Jung erreichte mit einem 15. Sieg die beste Plazierung der Elzer Teilnehmer.


Deutsches Turnfest in Essen 1963
Von links: Karl Reuter, Inge Jung, Wolfgang Woronowska, Paul Bellinger, Dieter Selting, D. Kürtel, unbekannt

 

Zwei Jahre später vertrat Inge Jung die Farben Hessens bei einem Ländervergleichskampf. Bei dieser Gelegenheit verbesserte sie den Kreisrekord im Weitsprung auf 5,21 m.

Anfang September 1965 hatte sie bei den deutschen Turnmeisterschaften in Mülheim im leichtathletischen Fünfkampf der Frauen den 5. Platz belegt und im Rahmen dieses Wettbewerbs im Schleuderballwerfen den deutschen Rekord (49,95 m) nur um 82 cm verfehlt. In der Bestenliste des Leichtathletikreises Limburg führte Inge Jung in allen technischen Disziplinen.

Auch bei den Männern sorgten Erfolge in den „Wurfdisziplinen" für Schlagzeilen. Wolfgang Woronowska verbesserte mehrere Male den Kreisrekord im Hammerwerfen, so 1966, als er bei den damals noch regelmäßig ausgetragenen Vereinsmeisterschaften 45,40 m erzielte. Das in den 50iger Jahren von Reinhold Müller begonnene Hammerwerfen wurde nun durch Wolfgang Woronowska und später durch Ernst Dillmann eine Domäne des TV Elz.

Im Turnen sorgte nun ein junger „Nachwuchsturner" für Schlagzeilen: Sebastian Jung. Bei einem Gerätevergleichskampf zwischen dem TV Elz und Kronberg zeigte er erstmals einen „Yamashitasprung" über das Langpferd und sorgte auch mit der zweitbesten Bodenkür für den hauchdünnen Vorsprung von 0,05 Punkten, der für den Sieg am Ende reichte. Die Elzer Riege _ Ernst und Georg Klersy, Julius Möller, Sebastian Jung und Siegfried Saliger - wurde bei diesem Wettkampf durch Rudolf Thies aus Würges verstärkt, der vor „Altmeister" Ernst Klersy die Einzelwertung gewann.

Obwohl der Turnhallenbau die nächsten Jahre dominierte, wurde im Verein eine ausgezeichnete Jugendarbeit geleistet. 18 Jahre lang hatte allein Erich Bay als Kinderturnwart und Übungsleiter gearbeitet. Vor allem ihm ist es zu verdanken, daß der Zuwachs an sportbegeisterten Kindern und Jugendlichen nie abnahm. Nun mußten, aufgrund der immer größer werdenden Teilnehmerzahlen, auch andere in die Betreuung mit eingebunden werden. Lieselotte Müller (Lieselotte Pilz) und Horst Zei kümmerten sich um den turnerischen Nachwuchs, Alois Witteyer begann mit dem Aufbau einer weiblichen Leichtathletikgruppe und Georg Müller, der als einer der ersten 1965 die Übungsleiterlizenz erwarb, trainierte mit großem Erfolg Schüler im Turnen und in der Leichtathletik.


Diese Elzer Turner gewann sieben Mal die Staffel „Rund um den Mensfelder Kopf"
Von links: Karl Reuter, Winfried Braun, Wolfgang Woronowska, Georg Blättel, Georg Müller, Dieter Selting u. Peter Leuschner

 

Schon 1968 machte sich diese Aufbauarbeit bezahlt, als der Turnverein Elz mit einer „großen" Mannschaft zum Deutschen Turnfest nach Berlin fuhr.

 


Der TV Elz vor der Abreise nach Berlin 1968 vor dem Gasthaus Möller

Auf der Treppe v. links: Helmut Horne, Georg Müller, Wolfgang Woronowska, Georg Blättel, Sebastian Jung, Helmut Martin, Horst Zei, Eberhard Martin, Karlheinz Müller, Karl-Heinz Fend, G. Hoffmann

Vor der Treppe v. links: Ursula Jung(Jeuck), Hiltrud Schneider(Arnold), Annemarie Diehl(Schuy), Hildegard Egenolf(Stein), Gerdi Horne, Renate Pilakowski(Seel) und Inge Jung(Wiegand)

 

Willi Michel schrieb in seinen Aufzeichnungen:

„Vor Beginn des Festes wurden die 18 Teilnehmer mit allen guten Wünschen seitens des Vorstandes nach Berlin geschickt. Und nun begannen die Tage des ,Zittern'. Wie werden unsere Aktiven abschneiden? Und das Hoffen hat sich gelohnt. Am vorletzten Tag des Festes in Berlin kam von dort ein Anruf. ,Wir haben eine Deutsche Vizemeisterin im Schleuderball-Weitwurf ,Inge Jung'."

Nun wurde alles in Bewegung gesetzt, um die erfolgreichen Teilnehmer am späten Sonntagabend am Bahnhof in Limburg zu empfangen.


Die Nassauische Landeszeitung berichtete:

Europameister - Deutsche Vizemeisterin
Elzer Sport festigte seinen Ruf

Inge Jung mit Ehrungen überhäuft - Am Mittwoch "großer Bahnhof"

E l z (ek). — Jugend-Europameisterschaft für Kurt Hunsänger im Einer-Kunstradfahren in Feldkirch/Österreich — Vizemeisterschaft für Inge Jung im Schleuderball-Weitwurf beim Deutschen Turnfest in Berlin! Das waren delikate Pfingstüberraschungen, die EIzer Sportler geboten haben. Während Elz sich rüstet, seinen Europameister am Mittwochabend mit einem "großen Bahnhof" zu empfangen, erlebte Inge Jung am Sonntagabend, was es bedeutet sportlichen Nachruhm zu ernten. Mit einem Wort gesagt: Elz stand kopf.

Bürgermeister Michaely und TV-Vorsitzender Michel fuhren neben einem vielköpfigen Empfangskomitee dem EIzer Turnaufgebot entgegen, das in Berlin so stolze Erfolge errungenhat. Spät am Abend trafen die 20 Turnerinnen und Turner am Limburger Bahnhof ein, darunter natürlich Inge Jung, 22, die neben ihrer Deutschen Vizemeisterschaft Schleuderballweitwurf auch im leichtathletischen Dreikampf der Frauen den hervorragenden sechsten Platz belegt hat Und noch ein junges Mädchengesicht strahlte stolze Freude aus. Es war das Gesicht der erst 19jährigen Renate Pilakowski, die Rang 26 des leichtathletischen Dreikampfes belegt hat. Auch die Turner hatten allen Grund, beglückwünscht zu werden. Sie erzielten durchweg respektable Plätze, die um so höher zu bewerten sind, wenn man bedenkt, daß sie in Disziplinen notiert wurden, in denen Zehntausende an den Start gegangen waren

In Limburg befragt, wie weit sie ihren Ball geschleudert habe, bekannte Inge Jung freimütig, daß sie es nicht genau wisse, die Ansage über den Stadionlautsprecher sei im Jubel der Massen untergegangen. . . .Nach ihrem "großen Bahnhof" auf dem Limburger Bahnhof wurden die EIzer Turnfestteilnehmer im Triumphzug nach Hause gebracht. Dort, im. Vereinslokal Möller, warteten schon ihre Freunde, Angehörigen sowie Beauftragte des Turn-, Radfahr-, Reit- und Fahrvereins, Ski-Clubs, Sportvereins, der Sängervereinigung "Germania", des MGV "Frohsinn" und Kaplan Gläser, ihnen ihre Gratulation zu übermitteln. Die herzliche Atmosphäre dieser Stunde war von jenem EIzer Geist erfüllt, der stets zum Ausdruck kommt, wenn es heißt, Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. Die Ehrungen häuften sich. Jeder hatte Worte, die Stolz, Freude und Genugtuung über die fabelhaften Leistungen von Berlin vermittelten. Blumen und Geschenke bekamen vor allem die Frauen und Mädchen. So überreichte Bürgermeister Michaely der Deutschen Vizemeisterin Inge Jung eine kostbare Silberschale und Renate Pilakowski ein kleineres Präsent.


Begrüßung der Deutschen Vizemeisterin Inge Jung durch Bürgermeister Michaely und Willi Michel